Ulrichs Nordkapp-Tour

Ulrichs Nordkapp-Tour

Ich will zum Nordkapp. Mit dem Fahrrad. Zusammen mit Jack, dem besten Hund auf der Welt. Und mit meiner Gitarre.
Ihr lest ganz richtig. Fünf Jahre nach meiner FahrradTournee durch Deutschland zieht es mich wieder auf die Straße.
Der Frühling – die aufwachende Natur, das frische Grün, das stete Wachsen und Aufblühen, Wiederauferstehen, die steigenden Temperaturen und länger werdenden Tagen – Ihr wisst, was ich meine, oder? – war für mich schon immer auch eine Zeit der Reflexion und neuer Ideen.
Aber dieses Jahr empfinde ich sie anders als sonst.

Wir erleben momentan, im Frühjahr 2020, die Coronakrise. Und ich fühle mich – meist alleine mit Jack zuhause, ohne den üblichen Tages- und Wochenrhythmus aus Kitas, Kursen und Konzerten, mit eingeschränkten Kontakten – auf mich zurückgeworfen.
Aber: Es geht mir erstaunlich gut dabei. Und das wiederum gibt mir gerade wirklich zu denken.

Ich erlebe diese Zeit wie eine Pause, wie ein Durchatmen, aber anders als Urlaub. Vielleicht weil die ganze Stadt ein bisschen zur Ruhe gekommen ist. Zumindest auf den Straßen.
Als hätte ich gerade die besondere Gelegenheit zu einer tiefen Besinnung bekommen, um dann mit ungekanntem Schaffensdrang neue, große Ziele zu definieren, und diese dann ganz konkret zu planen, anzugehen, umzusetzen.

Meine Ausgangssituation, Berlin, April 2020

Ich habe das große Glück, mit dem, was ich sowieso schon gerne mache, Singen und Gitarre spielen, die Augen vieler Menschen zum Leuchten bringen zu können. Von den ganz kleinen Säuglingen bis Hochaltrigen, von 3 Monaten bis 103 Jahren, alle sind dabei und singen, tanzen, klatschen mit, soweit es ihnen möglich ist.
Ich erfahre Anerkennung und kann damit sogar meinen Lebensunterhalt verdienen.
Mir gelingt das auf einem materiell recht bescheidenen Level, aber es reicht und ich bin eigentlich ganz zufrieden.

Wie toll ist das denn bitte?!

Wäre da nicht diese finanzielle Unsicherheit. Es ist mir aktuell unter den gegebenen Umständen nur mit Mühe und Not möglich, für die ganz normalen, immer wieder mal jedem Menschen passierenden, krankheitsbedingten Ausfälle, vorzusorgen.
Sollte mir mal was richtig Ernstes und Langwieriges zustoßen, wäre ich aufgeschmissen. So wie jetzt, zum Beispiel.

Zu Beginn der Coronakrise, als Schulen und Kitas, Familienzentren zumachten, habe ich es wirklich mit der Angst bekommen. Keine Kitas, keine Kurse, keine Konzerte bedeuten für mich: keine Kohle.
Ich war im Anschluss überwältigt von der Hilfsbereitschaft so vieler Menschen, die so unglaublich großzügig für meinen dafür eigens eingerichteten MoneyPool bei PayPal spendeten.
Absoluter Wahnsinn! Vielen vielen Dank!!!

Und als ich dann die Soforthilfe von der Investitionsbank Berlin (IBB) auf meinem Konto sah, habe ich erstmal durchgeatmet.
Ja, genau: erstmal.

Denn: Wie geht es weiter?

Noch ist die Krise nicht vorbei. Kein Mensch kann abschätzen, welche Folgen wie lange uns gesamtgesellschaftlich und jedeN von uns ganz individuell begleiten werden. (By the way: von diesen 5000€ von der IBB muss ich 19% Umsatzsteuer ans Finanzamt zahlen, 950€…)
Ich habe nun doch Hartz4 beantragt, was ich unbedingt vermeiden wollte…

Aber das ist noch lange nicht alles.

Hinzu kommt, dass ich kürzlich, just in dieser Zeit, Geburtstag hatte und ein Alter erreicht habe, in dem sich wohl viele Menschen Gedanken über ihr Leben machen, mit gemischten Gefühlen und Erfahrungen zurück- und ein bisschen ungewiss nach vorne schauen.

Willkommen Midlifecrisis!..

Mein Sohn ist gerade 18 geworden. Achtzehn! Nächstes Jahr macht er Abi! Und dann zieht auch er in die große weite Welt. Johannes wird, nein, ist nun erwachsen. Und ich bin hier als Papa nicht mehr so gefragt wie vor noch gar so nicht langer Zeit.
Ich müsste lügen, wollte ich behaupten, dass das alles einfach für mich ist.

Mein Sohn Johannes macht auch gerne Musik

Johannes spielt Klavier und Schlagzeug



Und Jack, mein treuer Gefährte, ist kürzlich 12 Jahre alt geworden. Ein Senior mittlerweile. Aber so kleine Mischlingshunde werden gut und gerne 15 Jahre und älter. Oder?
Jack

Jack trägt nur Reebok



Im April 2020 hatte Jack eine schlimme Entzündung an der Pfote. Zum Glück war es kein Tumor, was aber einige Tage im Raum gestanden hatte. Und was mich alarmiert hat: Wieviel Zeit bleibt uns noch?
Ich fahre doch nicht ohne meinen Jack zum Nordkapp!

Dass unsere gemeinsame Zeit hier auf Erden endlich ist, und sich um niemandes Pläne, Wünsche und Hoffnungen schert, wie fragil unser gewohntes Leben letztlich ist, wurde und wird mir in diesen Tagen schmerzlich bewusst.

Abgesehen von meinen Finanzen und Jacks Alter frage ich mich natürlich auch:

Wie lange bleibe ich denn wohl noch einigermaßen gesund?
Dass ich so auf Kante als freiberuflicher Musiker leben kann.
Und eine mehrmonatige Fahrradtour jenseits des Polarkreises packe.

Denn nicht nur angesichts der geschilderten Situation habe ich die Grenzen und die Zerbrechlichkeit meiner Möglichkeiten vor Augen und spüre ich eine gewisse Dringlichkeit:

Zu gut erinnere ich mich daran, wie immer wieder immer neue schwere Krankheiten meinen Vater ab ungefähr 50 heimsuchten und Schritt für Schritt einschränkten:
mehrere Bandscheibenvorfälle, ein Herzinfarkt und schließlich Krebs.
Der machte ihn dann von heute auf morgen für seine letzten 5 Jahre zum Pflegefall, fesselte ihn an Bett und Rollstuhl.

Das muss mir nicht, aber es kann mir so oder so ähnlich passieren. Wie jeder und jedem von uns.

Früher oder später geht einfach manches nicht mehr.

Als Kind habe ich mit meinem Vater, der leider immer nur davon geträumt hat und dann nicht mehr dazu kam, „irgendwann“ alle Europäischen Fernwanderwege zu Fuß zu bereisen, die ersten kleinen Fahrradtouren gemacht.
Später bin ich durch Skandinavien, Kanada und Alaska getrampt, gelaufen, gepaddelt, und 2015 mit Gitarre und Hund (Jack!) 5 Monate durch Deutschland geradelt.

Von dieser Fahrradtour zum Nordkapp träume ich schon sehr sehr lange, und ich habe das Gefühl, es wird Zeit.
Ich will, nein: ich denke, ich muss sie jetzt machen.


Sobald ich genug Geld für die weiterhin laufenden Kosten daheim in Berlin (meine Wohnung kann ich während der Tour untervermieten) und Verpflegung unterwegs habe, kann es losgehen.

Die nötige Ausrüstung ist so gut wie komplett. Ich bin ja wie gesagt schon eine ganze Weile draußen unterwegs.

Natürlich werde ich absolut low budget reisen, was in Schweden und besonders in Norwegen eine Herausforderung darstellt. Und das heisst: Zelten, wenn möglich wild, und Couchsurfing.

Für die ungefähr 6000 Kilometer möchte ich mir gerne mindestens 4 Monate Zeit nehmen. (Vielleicht starte ich dann nicht gerade im Winter)

Und bestimmt werde ich hier und da, wo es sich anbietet und gut und richtig anfühlt Musik machen!
Straßenmusik finde ich grundsätzlich super, wenn sie nicht wie Betteln rüberkommt, das heisst, wenn der Rahmen stimmt.
Welche Bedingungen für bezahltes Musikmachen ich auf meiner Fahrradtour zum Nordkapp vorfinde, werde ich im Vorfeld natürlich recherchieren.
Vielleicht lässt sich ja das eine oder andere Konzert am Polarkreis organisieren!

Das Album zur Nordkapptour 2021:

„Goodbye Berlin“

Hier sind 2 Lieder daraus vorab.


Wer „It got different“ UND den Titelsong „Goodbye Berlin“ jetzt schon in noch besserer Audioqualität downloaden, hören und haben möchte, findet einen entsprechenden Link mit den Songs in verschiedenen Audio-Formaten PLUS Textblättern hier! Nebenbei „dürft“ Ihr auch noch nach Eurem Bemessen eine Kleinigkeit in den Spendentopf, den virtuellen Gitarrenkoffer schmeißen.
Ich danke Euch vielmals!