Ein Wiedersehen

Als mein Plattenspieler letztes Jahr kaputtging, drehte sich der Teller manchmal urplötlich wahnsinnig schnell. Oder die Nadel kratzte mit einem Mal über die ganze Platte. Ich stellte dieses und jenes ein, drehte Knöpfe, und veränderte das Auflagegewicht. Aber es war nichts zu machen. Auch der Mann in seiner Werkstatt am Lausitzer Platz, der angeblich sowas reparieren konnte, war nicht in der Lage, die Macke zu beheben.
Und so packte ich dann meinen 25 Jahre alten Plattenspieler in die Elekromülltonne im Hinterhof.

Einige Tage darauf spaziere ich die Schlesische Straße entlang, gehe an einem Laden vorbei, der allerhand schicke Gebrauchtsachen verkauft, auch Platten, schaue in’s Schaufenster und sehe meinen alten Plattenspieler.
Er war es, keine Frage. Der Aufkleber von „Jeanie Bueller“ klebte vorne dran. 80 Euro stand auf dem Preisschild. Das fand ich schon komisch.
Jemand, vielleicht eine Nachbarin oder ein Nachbar, musste meinen alten Plattenspieler aus der Mülltonne geholt und hier verhökert haben, und wer ihn auch immer dann untersucht hatte, musste seine beiden Macken nicht bemerkt haben.

Eine Woche später kostete der Plattenspieler noch 70 Euro, kurz darauf war er weg.

Ich habe nun also einen neuen und gehe gerne auf Flohmärkte, am liebsten Sonntags zum Maybachufer oder in die Prinzessinnengärten, und schaue, was für tolle alte Platten ich für möglichst wenig Geld finden kann.

Neulich entdeckte ich dann folgende Doppel-LP, Bob Dylan And The Band, Before The Flood.

mein Flohmarktkauf, Bob Dylan And The Band, Before The Flood

mein Flohmarktkauf, Bob Dylan And The Band, Before The Flood

eine aufklappbare Doppel-LP

eine aufklappbare Doppel-LP

Ich griff natürlich sofort zu. Mir schien das eine gute Wahl, um mich auf „Bob Dylan and his Band“ morgen, am 24. Oktober im Tempodrom in Berlin, mental und gefühlsmäßig einzustimmen.
Natürlich erwarte ich nichts dergleichen im Tempodrom, ich erwarte nicht weniger als ein fantastisches Konzert, egal wie er und seine Band das machen.
Mir gefallen die letzten Platten von Bob Dylan seit „Time Out Of Mind“, und mir gefällt auch seine kaputte Stimme, wie mit einer groben Stahlbürste zerfetzt. Tom Waits klingt dagegen wie ein klares unschuldiges Glöckchen an einem frischen Sommermorgen.
Und mir gefällt auch, was ich an Konzertmitschnitten kürzlicher Konzerte auf YouTube sehe. Das ist einfach mal ne coole Sau.

Aber mal schauen, was ich nach dem Konzert sage…

Nächstes Mal: ich gehe zu Bob Dylan And His Band, dann: wirklich mein erstes Lied, das ich als Kind mitgesungen habe, und vielleicht: etwas über  die Lieder, die ich spiele.

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